HQ 100 kostet (die Betroffenen!) jetzt schon € 14 Mio.

Der Hagenbach-Hochwasserschutz hat zwei Seiten: zum einen die Verringerung der Hochwassergefahr auf ein vertretbares Risiko. Zum anderen geht es um die erheblichen materiellen Schäden, die durch die Ausweisung als HQ 100-Zone und die daran anschließende Bausperre zwischenzeitlich auftreten. Lange bevor ein Hochwasser eintritt …

Wir laden Sie zum Mitrechnen ein, um gemeinsam zu einer Schätzung der aktuellen finanziellen Folgen zu gelangen:

Betroffen sind in St. Andrä-Wördern 380 Objekte. Die Grundstücksgrößen sind zweifelsohne recht unterschiedlich – gehen wir vorsichtshalber von einem eher niedrigen Wert von durchschnittlich 600 m² aus. Für ein solches Grundstück lässt sich ein Preis con ca. € 200/m2 annehmen, wären sie nicht durch HQ 100 belastet.

Alles in allem also 380 mal 600 mal 200 … ergibt einen Gesamtwert von € 45,6 Millionen.

Wir haben einen gerichtlich beeideten Sachverständigen befragt, was es für ein Grundstück bedeutet, wenn es offiziell als HQ 100-Bereich deklariert wird. Die Auskunft: Wertminderung bis zu 45 % … seien wir auch da vorsichtig und gehen wir von 30 % aus, dann können wir den wirtschaftlichen Gesamtschaden berechnen, der für die genannten 380 Haushalte, sehr vorsichtig gerechnet, entsteht: € 45,6 Mio. mal 0,3 = € 13,7 Mio.

Knapp 14 Millionen Euro vorläufiger Schaden also, der durch die Ausweisung der HQ 100-Zone in Wördern von den betroffenen Liegenschaftseigentümern hinzunehmen ist. Und weil so große Zahlen schwer fassbar sind … wenn jemand ein 1000 m² großes Areal besitzt, dann beträgt seine aktuelle Benachteiligung nach unserem Rechenmodell gegenüber dem vollen Wert € 60.000 …

Dieser Wertverlust ist momentan unbefristet – der volle Grundstückspreis ist erst wieder gegeben, wenn die HQ 100-Ausweisung offiziell aufgehoben wird. Wann das der Fall sein wird, lässt sich momentan nicht sagen – so Bürgermeister Alfred Stachelberger auf Frage des „Kurier“ im Juni 2014.

Theoretischer Schaden - oder faktisch gegebener?

Freilich, irgendwann, wenn der Hagenbach-Hochwasserschutz auf zeitgemäßem Stand sein wird, erhalten auch die benachteiligten Immobilien wieder ihren Normalwert. Trotzdem ist der wirtschaftliche Nachteil nicht nur durch geduldiges Aussitzen und Hoffen, dass der Bach inzwischen eh nicht übergeht, auszugleichen. Die Schäden sind ganz konkret. Zum Beispiel:

Grundstückseigentümer sind in der freien Verfügbarkeit über ihre Immobilie auf unbefristete Zeit erheblich eingeschränkt. Ein Verkauf ist nur unter erheblichen Verlusten denkbar. Auch eine hypothekarische Belastung des Areals ist stark behindert – welche Bank würde den Normalwert des Grundstücks akzeptieren, wenn auf unbefristete Zeit eine Wertminderung durch HQ 100 gegeben ist?

Auch in allen anderen Fragen der Grundstücksbewertung – sei es bei Teilungen im Erbschaftsfall oder wenn gemeinschaftliches Eigentum aufgeteilt werden soll, etwa bei Scheidungen – spielt die unbefristete HQ 100-Zuweisung eine Rolle. Es bleibt das Faktum: Der aktuelle Schaden durch die HQ 100-Zuweisung geht in die Millionen. Und zu tragen haben ihn ausschließlich die betroffenen Liegenschafts-Eigentümer.

Es geht hier zu allerletzt um Schuldzuweisungen. Dass man vor dem Hochwasser-Risiko Hagenbach über Jahrzehnte die Augen verschlossen hat, ist Geschichte. Weiterhin einfach nur zu hoffen, „dass eh alles gut gehen wird“, wäre hingegen Russisches Roulette gewesen. Die Hagenbach-Studie war nötig, um die Verantwortlichen aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken. Die damit einhergehende finanzielle Schlechterstellung der betroffenen Grundstückseigentümer kann man auch als notwendiges Übel betrachten, das mit der überfälligen Lösung der Hagenbach-Probleme Hand in Hand geht.

Angesichts der Tatsache, dass nicht wenige der betroffenen Grundstücke allerdings noch wenige Jahre vor der nunmehrigen Bausperre als Bauland gewidmet und vollpreisig verkauft worden waren, sind nun Lösungen gefragt, die raschestmöglich die aktuelle Wertminderung beseitigen. Die kolportierten sechs Millionen Euro, die der Hagenbach-Hochwasserschutz kosten soll (und je länger man zuwartet, desto mehr wird es), stehen jedenfalls in einem mehr als vertretbaren Verhältnis zu den knapp 14 Millionen Euro, die die betroffenen BürgerInnen derzeit als Schaden zu tragen haben.