Neue Geschichten aus dem Wienerwald

Wer darf was am Hagenbach? – Eine dokumentarische E-Mail-Tragikömödie in Fortsetzungen

 

Guni Zeppelzauer, Anrainerin am Hagenbach in St. Andrä-Wördern, wendete sich im vergangenen Oktober mit der Bitte um eine Auskunft an die Marktgemeinde:

Von: Guni Zeppelzauer
Gesendet: Montag, 20. Oktober 2014 13:35
An: Post - Marktgemeinde St.Andrä-Wördern
Betreff: Dammbepflanzung

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich wohne in der Wildenhaggasse 12, das Grundstück grenzt direkt an den Damm. Aus Gründen des Sichtschutzes  würde ich gern den Damm hinter meinem Grundstück bepflanzen.

Meine Frage ist: da der Damm Gemeindegrund ist weiß ich nicht, ob es erlaubt ist den Damm zu nutzen. Allerdings haben auch andere Anrainer den Damm bepflanzt. Braucht man dazu eine Bewilligung? Stellt das eine Behinderung beim Mähen für die Instandhaltung des Dammes dar? Schwächt das die Bausubstanz des Dammes oder dient es der Befestigung der Erde?

Da ich meine Sträucher erst kaufen muss und sie dann nicht wieder entfernen möchte würde ich Sie bitten mir diese Fragen zu beantworten.

Mit freundlichen Grüßen,

Guni Zeppelzauer

Schon 14 Tage später kommt von der Marktgemeinde die Antwort, dass man derzeit eigentlich keine Antwort geben kann oder will … 

From: Kuber Eveline
Sent: Tuesday, November 04, 2014 9:36 AM
To: Guni Zeppelzauer
Cc: Post - Marktgemeinde St.Andrä-Wördern
Subject: AW: Dammbepflanzung

Sehr geehrte Frau Zeppelzauer!

Aufgrund der derzeit laufenden Diskussion zum Thema Hochwassergefährdung durch den Hagenbach kann auf Ihre Anfrage erst im Zuge des Hochwasser-Projektes eingegangen werden.

Mit freundlichen Grüßen

Eveline Kuber

(Bürgerservice)
Marktgemeinde St. Andrä-Wördern

Noch am gleichen Tag dankt Guni Zeppelzauer dem Bürgerservice StAW und weist auf die Missstände im Zusammenhang mit den jüngsten Mähaktionen entlang der Hagenbachdämme hin.

Von: Guni Zeppelzauer
Gesendet: Dienstag, 04. November 2014 11:24
An: Kuber Eveline
Betreff: Re: Dammbepflanzung

Sehr geehrte Frau Kuber,

danke für Ihre Information. Ich bin sehr interessiert an dem Ergebnis der Diskussion. Bitte informieren Sie mich weiter.

Weiters möchte ich Ihnen mitteilen, dass nach dem Mähen des Dammes der Grasschnitt liegen geblieben ist und sich bereits kleine Verklausungen im Wasser gebildet haben. Der Knöterich wurde ebenfalls abgeschnitten und man weiß, dass aus jedem abgeschnittenen Ast ein neuer Stamm heran wächst. Es liegen sehr viele solche Äste im Wasser und bilden neue Knöteriche. Ich glaube, dass das nicht im Sinne des Hochwasserschutzes sein kann. Es gäbe die Möglichkeit, dass Asylwerber den Schnitt entfernen könnten. Sie würden eine Kleinigkeit verdienen und das fällt unter Saisonarbeit.

Mit freundlichen Grüßen,

Guni Zeppelzauer

Eveline Kuber vom Bürgerservice wendet sich daraufhin an die viadonau, an Herrn Frisslovics, und leitet das Mail von Frau Zeppelzauer dorthin weiter:

Von: Kuber Eveline
Gesendet: Dienstag, 04. November 2014 16:20
An: Frisslovics Adolf
Cc: Guni Zeppelzauer
Betreff: WG: Dammbepflanzung

Sehr geehrter Herr Frisslovics!

Nachfolgendes Mail mit dem Ersuchen um Stellungnahme.

Mit freundlichen Grüßen

Eveline Kuber

(Bürgerservice)
Marktgemeinde St. Andrä-Wördern

Mehr als eine Woche später wendet sich auch Guni Zeppelzauer selbst an die viadonau, um eine Antwort zu urgieren.

Von: Guni Zeppelzauer
Gesendet: Donnerstag, 13. November 2014 15:28
An: Frisslovics Adolf
Betreff: Dammbepflanzung

Sehr geehrter Herr Frisslovics,

Ich wohne in St.Andrä-Wördern, in der Wildenhaggasse. Mein Grundstück liegt direkt an den Damm angrenzend. Als ich in das Haus einzog, stand am Damm hinter meinem Haus ein kleiner Nussbaum. Leider wurde er beim Mähen des Dammes entfernt, mit der Begründung, dass dort nichts stehen darf, weil es den Damm gefährde. Jetzt haben aber schon mehrere Anrainer am Damm Sträucher gesetzt um einen besseren Sichtschutz zu haben. Ich würde das auch gern machen.

Meine Frage: Ist das erlaubt, haben diese Anrainer eine Genehmigung? Ich bitte Sie um eine Antwort.

Weiters ist mir aufgefallen, dass der Grasschnitt und der Knöterichschnitt am Damm liegen bleiben. Das hat zur Folge, dass das Bett des Baches verlandet und verklaust. Der Knöterich hat außerdem die Eigenschaft, dass jeder abgeschnittene Zweig, der auf Erde fällt sich neu einwurzelt. Das heißt, dass durch das Mähen der Knöterich vermehrt wird. Auf meine Frage, ob man den Schnitt nicht entfernen könne, sagte man mir: “Das ist zu teuer.” Das Ausbaggern und Reparieren des Dammes kostet aber bestimmt mehr.

Bitte würden Sie auch dazu Stellung nehmen.

Mit freundlichen Grüßen,

Guni Zeppelzauer

Herr Frisslovics von der viadonau antwortet nicht … 14 Tage später urgiert Guni Zeppelzauer erneut. Der Knöterich dürfte inzwischen neue Wurzeln geschlagen haben.

Von: Guni Zeppelzauer [mailto:guni.z@gmx.at]
Gesendet: Freitag, 28. November 2014 15:47
An: Frisslovics Adolf
Betreff: Dammbepflanzung

Sehr geehrter Herr Frisslovics,

da Sie mir auf meine Emails nicht antworten, nehme ich an, dass es Ihnen gleichgültig ist, wenn wir den Damm bei St.Andrä-Wördern mit Sträuchern bepflanzen. Für dieses Jahr ist es schon zu spät, aber im nächsten Jahr möchte auch ich den Damm oberhalb meines Grundstückes als Sichtschutz bepflanzen, sowie es auch andere Anrainer schon gemacht haben.

Was meine Beobachtung in Bezug auf die Dammpflege im Inneren Bereich betrifft finde ich es beunruhigend, dass es Sie nicht interessiert, dass das Bachbett durch den Grasschnitt verlandet und der Knöterich durch eben diesen Schnitt noch weiter verbreitet wird. Für uns Anrainer besteht immerhin die Gefahr des Hochwassers. Wer ist verantwortlich wenn das Bachbett nicht richtig gepflegt wird?

Mein Vorschlag wäre: gleich nach dem Mähen müsste aller Schnitt aus dem Bachbett entfernt werden. Für diese Arbeit, die als Saisonarbeit bezeichnet werden könnte, könnte man Asylwerber anstellen. Sie haben viel Zeit und können einen kleinen Nebenverdienst gut brauchen.

Mit freundlichen Grüßen

Guni Zeppelzauer

Am 1. Dezember kommt die Antwort von der viadonau. Und sie enthält einige Überraschungen: Nicht nur einige Anrainer haben unerlaubt gepflanzt … auch die Marktgemeinde selbst hat offenbar ohne Zustimmung der viadonau an den Hagenbachdämmen herumgepfuscht.

From: Frisslovics Adolf
Sent: Monday, December 01, 2014 3:18 PM
To: Guni Zeppelzauer
Subject: AW: Dammbepflanzung

Sehr geehrte Frau Zeppelzauer,

Ihr Anfrage  bezüglich Dammbepflanzung am HW-Damm wurde sofort an Hr. DI. Schlögl weitergeleitet.

Am 08.10.2014  und am 17.11.2014 wurde eine Dammkontrolle durchgeführt und Fotos von den Bepflanzungen gemacht.

Am 24.11.2014 wurde eine Dammbereisung durchgeführt.

Im Bereich  der Hagenbachdämme wurden  ohne Zustimmung  der viadonau Bepflanzungen und Einbauten ( Stiegen) vorgenommen.

Am 25.11.2014 wurde von DI. Schlögl an die Marktgemeinde St.Andrä Wördern geschrieben, zwecks Besprechungstermin.

Rückmeldung von der Marktgemeinde St. Andrä Wördern ist noch offen.

Mit freundlichen Grüßen

Adolf Frisslovics

Guni Zeppelzauer dankt Herrn Frisslovics für die Antwort und weist erneut auf die Missstände der Mähpraxis an den Dämmen hin.

Von: Guni Zeppelzauer [mailto:guni.z@gmx.at]
Gesendet: Montag, 01. Dezember 2014 17:38
An: Frisslovics Adolf
Betreff: Re: Dammbepflanzung

Sehr geehrter Herr Frisslovics,

vielen Dank für Ihr ausführliches Mail. Da die Bepflanzung des Dammes nun offensichtlich nicht gestattet ist werde ich davon Abstand nehmen. Das erspart mir die doppelte Arbeit des Setzens und des Wiederausgrabens. Ich hoffe, dass Sie auch die Auswirkungen des Dammmähens neu bedenken (Verlandung und Weiterverbreitung des Knöterichs).

Mit freundlichen Grüßen,

Guni Zeppelzauer

Adolf Frisslovics informiert nun Guni Zeppelzauer über das Mail, das seitens der Viadonau an die Marktgemeinde StAW ergangen ist … offensichtlich an das Bürgerservice/Frau Kuber adressiert, die wohl kaum für die von der Gemeinde zu verantwortenden Missstände verantwortlich zu machen ist. Hoffen wir, dass Bürgermeister und GemeinderätInnen von diesem Schreiben Kenntnis erhalten haben …

From: Frisslovics Adolf
Sent: Tuesday, December 02, 2014 7:17 AM
To: Guni Zeppelzauer
Subject: AW: Dammbepflanzung

Sehr geehrte Frau Zeppelzauer,

Ich übersende ihnen noch das Mail von Herrn DI. Schlögl am 25.11.2014 ,an Frau Eveline Kuber (Bürgerservice) bezüglich Dammbepflanzung.

Sehr geehrte Frau Kuber!

Als geschäftsführende Stelle der Donauhochwasserschutz-Konkurrenz dürfen wir Ihnen betreffend ihrer Anfrage und dem Email von Frau Zeppelzauer folgende Stellungnahme übermitteln.

Im Bereich der Hagenbachdämme wurden ohne Zustimmung der viadonau Bepflanzungen und Einbauten (Stiegen) vorgenommen, wie beiliegende Fotos zeigen. Bepflanzungen auf HW-Schutzdämmen sind grundsätzlich nicht gestattet, da sie die Standfestigkeit und Dichtheit des Hochwassserschutzdammes beeinträchtigen und eine Kontrolle der Dämme im Hochwasserfall erschweren. Auch dammbegleitende Bepflanzungen, die in das Dammprofil ragen, sowie ungenehmigte Einbauten erschweren die Frühjahrs- und Herbstmahd.

viadonau hat im Zuge der Dammkontrollen die kritischen Bereiche erhoben und ersucht die Gemeinde um einen Besprechungstermin, um gemeinsam mit der Gemeinde die betroffenen der Anrainer aufzufordern, die Bepflanzungen und Einbauten umgehend zu entfernen, sowie das notwendige Lichtraumprofil für eine ordnungsgemäße Mahd wieder herzustellen.

Die in der Verwaltung der viadonau stehenden HW-Dämme werden in der Regel 2 mal jährlich gemäht. Aufgrund des fehlenden landseitigen Bedienstreifens in der erforderlichen Breite von 3 Meter ist ein maschinelles Entfernen des Mähguts nicht möglich, das händische Entfernen des Mähguts kann aus Kostengründen nicht erfolgen.

Betreffend der rasanten Ausbreitung der Knöterich-Arten ist der Literatur folgendes zu entnehmen:

Gemeinsam ist allen Staudenknöterich-Arten, dass sie nur sehr schwer zu bekämpfen sind und es Jahre dauern kann, bis die Pflanze erschöpft ist und abstirbt. Um eine weitere großflächige Ausbreitung zu verhindern, kann Folgendes getan werden: Im Frühling (meist ab April) bis zum Absterben der Pflanze im Herbst mindestens einmal im Monat, besser sofort nach Erscheinen, jeden neuen Trieb direkt über dem Boden zurückschneiden oder mähen. Jedes kleinste Teilstück muss vernichtet werden. Pflanzenteile gehören unter keinen Umständen in den Kompost (Wiederaustrieb!). Befallsgefährdete Stellen wie Uferbereiche und Kompostplätze sollten regelmäßig auf neue Einzelpflanzen kontrolliert werden.

viadonau betreut zwischen Krems und der Marchmündung rund 225 km HW-Dämme, sodass eine wie oben beschriebene flächendeckende Kontrolle und Bekämpfung des Neophythenbefalls im Zuge der Streckenpflege nicht möglich ist.

Für Rückfragen stehe ich ihnen gerne zur Verfügung und viadonau darf sich betreffend eines Besprechungstermines an sie wenden.

Mit freundlichen Grüßen

Best regards
DI Reinhard Schlögl
Regionalleiter HWS Betrieb -Donau

Die viadonau weiß also, wie die Knöterich-Bekämpfung ordentlich zu erfolgen hätte. Und tut es nicht, "weil es nicht möglich ist". Die Gemeinde St. Andrä-Wördern nimmt das offenbar zum Anlass, sich in diesem Fall auf die viadonau auszureden und ihrerseits nichts zu tun ... außer unsachgemäß zu mähen, was den Knöterich weiter verbreitet, statt ihn zu beseitigen. Gemeindesekretär Ohnewas bei der Bürgerinfo im September: "Wir sind dem Knöterich ausgeliefert!"

Das stimmt nicht. Wie von der viadonau weiter oben selbst zitiert, empfehlen ExpertInnen durchaus sinnvolle Maßnahmen. Und Guni Zeppelzauer hat in ihrem Mail den vernünftigen Vorschlag unterbreitet, für das Mähen und sachgerechte Beseitigen des Knöterichs AsylwerberInnen einzusetzen. Es schiene auch nicht aussichtslos, ein Beispiel von angewandter Bürgerbeteiligung zu konzipieren ... mit Sicherheit fänden sich BürgerInnen bereit, beim gemeinsamen Anliegen Hand anzulegen, wenn sie auch sonst als Betroffene und Beteiligte das Gefühl haben, gehört und ernst genommen zu werden. Mehr Kreativität in den Lösungsansätzen und weniger Scheuklappen für den Amtsschimmel könnten viel bewegen ... allerdings wohl eher im Schneckentempo, wie der hier wiedergegebene Mailverkehr ahnen lässt.

Offen ist auch noch, wie es zu nicht bewilligten Einbauten in die Hagenbachdämme kommen konnte. Offen ist die Frage, wie es dazu kommen konnte, dass die von der viadonau geforderten, 3 m breiten Bedienungsstreifen entlang der Dämme nicht realisiert wurden ... welche weitsichtige Qualität hat die Raumplanung einer Gemeinde, wenn sie solche Fehlleistungen produziert?

Willkommen im Kompetenzdschungel. Und es scheint nahezu ein Naturgesetz zu sein, dass dort, wo die Kompetenzen verwickelt sind, die Inkompetenz freie Bahn hat ...