Die Hagenbachstudie ... erste Einblicke

Als im ersten Jahrzehnt des neuen Jahrtausends St. Andrä-Wördern erfreulich zu wachsen begonnen hatte, wurden noch viele Jahre Widmungen und Baugenehmigungen in Gebieten erteilt, die seit der Publikation der Hagenbachstudie im Frühjahr 2011 als HQ100 oder großteils sogar als HQ30-Zone ausgewiesen sind. Im Wachstums-Boom ging man reichlich blauäugig um mit den Hochwasser-Risiken – bis schließlich eine Initiative der grünen Gemeinderäte dazu führte, dass seitens des Landes Niederösterreich eine Abfluss-Studie für den Hagenbach und damit einhergehend eine Bewertung der Hochwasser-Risiken in St. Andrä-Wördern veranlasst wurde.

Das Ergebnis, im März 2011 der Gemeinde übergeben, war ein Schock. Die Studie wurde noch öffentlich publiziert, weitere ausführliche Informationen seitens der Marktgemeinde fanden nicht statt. Punktuelle Stichworte in den „Bürgermeister-Nachrichten“ können kaum ein Bild vermitteln, was geplant ist bzw. ob und bis wann wieder mit einer Aufhebung der HQ100-Deklaration gerechnet werden darf.

Die „Hagenbachstudie“ ist ein Dokument, das prinzipiell von Fachleuten für Fachleute geschrieben wurde. Dementsprechend liest sich die Studie. Aber auch für Laien und besonders für Menschen, die von der Deklarierung des HQ100-Gebietes in St. Andrä-Wördern betroffen sind, finden sich zahlreiche hochinteressante Passagen.

So wird im Detail beschrieben, wie ein 100-jährliches Hochwasser ablaufen könnte – ein theoretisches Modell freilich, eine Simulation, die zudem noch keinerlei Rücksicht auf mögliche Effekte von Hangrutschungen in der Hagenbachklamm nimmt – siehe dazu auch hier.

Wir zitieren wörtlich aus der Studie, die auch hier als PDF-Dokument zum Download bereitsteht (Hagenbachstudie, Seite 21ff):

„Der Oberlauf des Hagenbaches (km 3.000 bis km 2.400) weist ein relativ starkes Gefälle auf. In diesem Bereich kommt es bei einem HQ100 zu keinen Ausuferungen. Im weiteren Verlauf wird das Gefälle in Richtung Mündung immer flacher. Bis Bach km 1.688 gibt es am Hagenbach bei einem HQ100 keine Ausuferungen. Die Brücken in diesem Bereich (Brücke 7 bis Brücke 13) werden nicht eingestaut. Einzige Ausnahme ist die Fußgängerbrücke Brücke 8) bei km 1.852, die überströmt wird. Ab Bach km 1.610 kommt es bei einem HQ100 zu Ausuferungen in beide Vorländer. Wie bereits erwähnt können die in diesem Bereich ausufernden Hochwässer auf Grund der Dämme nicht mehr in das Flussbett zurück und verteilen sich im Vorland.

In diesem Bereich ufern von einem Gesamtabfluss bei HQ100 von 26,7 m³/s ca. 1,3 m³/s in das linke Vorland und ca. 3,8 m³/s in das rechte Vorland aus. Bis zur Querung mit der Bahn steigert sich der Abfluss im rechten Vorland auf ca. 10 m³/s und im linken Vorland auf ca. 1,7 m³/s.

Durch die Ausuferungen werden nördlich der Bahn ca. 45 Objekte im rechten Vorland und ca. 25 Objekte im linken Vorland gefährdet. In weiterer Folge strömt das Wasser in beiden Vorländern durch die Bahnunterführungen in Richtung Norden und überflutet die Vorländer nördlich der Bahntrasse. Südlich der Bahntrasse sind durch die Überflutungen 70 Objekte, nördlich davon 275 Objekte in beiden Vorländern gefährdet.

Der angrenzende Donaudamm verhindert ein Weiterströmen des Wassers in Richtung Norden. Somit breitet sich das Wasser in den Vorländern Richtung Osten und Richtung Westen aus. Die Wassertiefen in den Vorländern liegen großteils zwischen 20 cm und 50 cm. Nur in einigen lokalen Tiefstellen werden Wassertiefen von ca. 1,00 m erreicht.

Bis zur Mündung des Hagenbaches am Donaudamm verbleiben bei einem HQ100 von 26,7 m³/s nur ca. 8,7 m³/s im Flussschlauch. Die restlichen 18 m³/s werden in den beiden Vorländern retentiert.

Beschreibung der Abfluss-Situation bei HQ30

Die Abfluss-Situation bei HQ30 unterscheidet sich in Teilbereichen zu der Abfluss-Situation bei HQ100. Zwischen Bach km 1.610 und km 1.200 kommt es bei einem HQ30 zu wesentlich geringeren Ausuferungen als bei HQ100. Ab Bach km 1.100 gleicht das Überflutungsbild im linken Vorland bei HQ30 sehr dem Überflutungsbild bei HQ100. Im rechten Vorland ist die überflutete Fläche deutlich geringer. Es sind auch wesentlich weniger Objekte gefährdet.“

Die Hagenbachstudie geht auch so weit, dass in ihr Maßnahmen empfohlen werden, um die Siedlungsgebiete südlich und nördlich der ÖBB zu schützen. Dafür, so die Studie, sei …

... es notwendig, die Hochwässer des Hagenbachs zu retentieren. Aus Platzgründen besteht die einzige Möglichkeit dazu südwestlich der ÖBB und des Hagenbaches.

Am Hagenbach wird bei km 1.200 links eine befestigte Überströmstrecke mit einer Länge von ca. 50 m ausgebildet. Über diese befüllt sich das geplante Retentionsbecken mit einer Fläche von rd. 20 ha und einem Volumen von 250.000 m³. Die Länge des Dammes beträgt rd. 1.200 m, dessen Höhe beträgt 0,5 bis 3,0 m. Die Stauhöhe beträgt rd. 273,5 müA.

Diese Retentionsmaßnahme schützt alle Objekte, die sich flussab der Überströmstrecke befinden. Zur Freibordschaffung sind zusätzlich lineare Maßnahmen notwendig. Geschützt werden insbesondere folgende Bereiche:

Im Bereich Hagenbach Nord werden 160 Objekte, im Bereich Hagenbach West 115 Objekte (lt. Risikoanalyse) geschützt.

Die Studie zählt dann „lineare Maßnahmen“, sprich Dämme, in einer Gesamtlänge von knapp 400 m und Höhen zwischen 0,5 und 0,7 m auf. Zum Schutz von weiteren 70 Objekten südlich der ÖBB werden weitere Dämme mit einer Gesamtlänge von 560 m und Höhen zwischen 0,5 und 1 m empfohlen.

Das sind Vorschläge, die sich von den geplanten Projekten der Marktgemeinde StAW, soweit diese bisher bekannt sind, grundsätzlich unterscheiden. Wir nehmen an, dass es dafür gute Gründe gibt. Bekanntgegeben wurden sie der Bevölkerung bislang nicht.