Hagenbach-Hochwasser – eine unendliche Geschichte?

Hochwässer entlang des Hagenbachs sind nichts Neues. Mag. Thomas Ivkovits hat in seiner Diplomarbeit über „Hangbewegungen im Einzugsgebiet des Hagenbaches im nordöstlichen Wienerwald“ aufgelistet, wie sich im Laufe der jüngeren Geschichte Naturkatastrophen im Abflussbereich des Hagenbachs gezeigt und ausgewirkt haben. 

Im folgenden ein paar markante Auszüge aus dieser Arbeit, die im übrigen 2007 von der Marktgemeinde St. Andrä-Wördern ausgezeichnet wurde. Die Original-Textpassagen finden Sie zum Nachlesen hier als PDF. Geben wir Mag. Ivkovits das Wort:

„Besonders nach lang anhaltenden Regenperioden bzw. während der Schneeschmelze entwickelte sich dieses Fließgewässer [der Hagenbach … die Red.] zu einem reißenden Wildbach. Erst im Zuge von Maßnahmen der Wildbachverbauung wurde die gewaltige Kraft des Hagenbaches unter Kontrolle gebracht. Neben den Auswirkungen von Überflutungen dürfen aber die für den klammartigen Abschnitt charakteristischen Rutschungen nicht vernachlässigt werden, da diese in Hochwassersituationen zu Verklausungen führen können.“

„So wird berichtet, dass im Jahr 1771 ein Teil des Pfarrwaldes durch Regengüsse abgeschwemmt wurde. Gleichzeitig wurde durch den Hagenbach eine Mühle samt dem Wohnhaus zerstört.“

„Am 29. Juli 1785 entwickelte sich der Hagenbach nach einem Wolkenbruch zu einem reißenden Fließgewässer. Dabei wurden wiederum zahlreiche Häuser in Mitleidenschaft gezogen, wobei auch Zimmermauern weggerissen wurden. In Wördern wurde die Brücke von den Wassermassen abgetragen.“

„1795 setzte die Gemeinde Wördern erste Schritte, um die Einwohner besser vor den Hochwässern des Hagenbachs zu schützen. Nach einer kommissionellen Begehung wurde dem Antrag der Gemeinde stattgegeben, den Unterlauf des Hagenbachs zu verlegen. Das neue Bachbett führte nun über die Felder hinaus zur Donau. Dadurch konnten die Gebäude vor neuen Schäden durch den Hagenbach bewahrt werden.“

„...dass im September 1805 der Pfarrwald wieder einmal nach starken Niederschlägen von Rutschungen betroffen war. Den Ereignissen zufolge ist ein »Berg im Hagental links ganz auseinandergerollt« […] In Wördern trat der Hagenbach in seinem neuen Bett über die Ufer. Dabei bahnte sich das Fließgewässer einen anderen Weg mitten durch die Feler, so dass auf diesen die Sedimente 60 bis 90 cm hoch akkumuliert wurden.“

„Am 18. Mai 1851 war ein Wolkenbruch für eine Rutschung im Einzugsgebiet verantwortlich, die das Bett des Hagenbaches verlegte und ein Anschwellen desselben verursachte. Als Folge wurden zahlreiche Bäume entwurzelt. Im Ortsgebiet von St. Andrä wurde ein Neubau weggerissen. […] Außerdem wurden alle Brücken und Stege zerstört und ein Teil der Äcker mit einem Schuttmantel bedeckt.“

„Im Jahr 1861 wurde am 11. Juni durch eine starke Zunahme des Abflusses die Brücke bei der Mühle fortgerissen und der Weg hinter diesem Gebäude unpassierbar. Gleichzeitig wurden wiederum Bäume aus dem Boden gerissen und auf die Wiesen in Wördern geschwemmt.“

Verlegung des Bachbetts im Hagenbach„Ende April 1914 wurde das Bett des Hagenbaches etwa 100 m flussaufwärts vom Eingang in die Klamme im Zuge einer Rutschung auf einem längeren Streckenabschnitt 3 bis 4 m hoch mit Material bedeckt. Die Folge war eine Verklausung des Bachbettes. […] Es sei zu erwarten, dass sich die Rutschung im Zuge des nächsten Niederschlagsereignisses stärkerer Intensität weiter ausdehnt und die Gefährdung der Ortschaften des Tullnerfeldes zunimmt.“

„Im Frühjahr 1931 war die Schneeschmelze der Auslöser für Rutschungen, die eine streckenweise Verschüttung des Klammweges zur Folge hatten. […] Die Ablagerungen selbst erstreckten sich bis zum Hagenbach. Bei den nächsten stärkeren Niederschlägen muss damit gerechnet werden, dass der Hagenbach das akkumulierte Material wegschwemmt und im besiedelten Gebiet des Unterlaufes Verklausungen sehr wahrscheinlich wären.“

„Im Jahr 1951 wird ein Katastrophen-Hochwasser vom 11. Mai erwähnt, das schwere Schäden verursacht haben dürfte, auf die aber nicht näher eingegangen wird“.

„Ein Bericht der Wildbach- und Lawinenverbauung aus dem Jahr 1958 gibt Hinweise auf Überschwemmungen von Zufahrtswegen und landwirtschaftlichen Nutzflächen im Ortsgebiet von Kirchbach aufgrund der Hochwasserführung des Hagenbaches. […] Als Konsequenz musste das Flussbett begradigt werden.“

„... die Hochwässer des Sommers im Jahr 1959, die zahlreiche Schäden verursacht haben. Aufgrund von drei Hochwasserwellen wurde in der Hagenbachklamm der Verbindungsweg zwischen St. Andrä und Kirchbach erneut unterbrochen, diesmal aber gleich an mehreren Abschnitten. Durch die Abflusszunahme des Hagenbachs entwickelten sich an den Prallhängen neue Geschiebeherde. Eine der zahlreich ausgelösten Rutschungen verlegte sogar die Bundesstraße Tulln – Wien.“

Felssturz auf Steg in der Hagenbachklamm„So hat der Winter 1996 seine Spuren in der Klamm hinterlassen […] Felsstürze führten zu einer Verlegung des Wanderweges, wobei auch eine Brücke zerstört und zwei weitere durch schwere Schäden unpassierbar wurden. Dabei führten bereits umgestürzte Bäume zu einer teilweisen Verklausung des Bachbettes.“

„Die nächsten Hinweise auf Naturkatastrophen in der Hagenbachklamm finden sich […] 2003. Das Erscheinungsbild wird wieder durch Felsstürze und Hangrutschungen geprägt. Auf der einen Seite wurde der Wanderweg durch das akkumulierte Material verlegt, andererseits wurde das Bett des Hagenbachs durch die Felsen teilweise verklaust. […] Ein von der Gemeinde St. Andrä-Wordern angefordertes geologisches Gutachten prognostizierte zudem die Gefahr weiterer Felsstürze.“

Wie gesagt, die wissenschaftliche Arbeit von Mag. Ivkovits über Rutschungen in der Hagenbachklamm ist seit 2005 bekannt und wurde 2007 seitens der Marktgemeinde StAW ausgezeichnet ... ob sie dort jemand gelesen hat, steht auf einem anderen Blatt. Auf Nachfrage hat jedenfalls das Planungsbüro für den Hagenbach-Hochwasserschutz erklärt, diese Arbeit nicht erhalten zu haben und daher auch nicht zu kennen. Sollte das ein Missverständnis sein, werden wir es gern aufklären. Und bei der Frage am Ball bleiben, in welcher Weise die dokumentierten Rutschungs-Risiken in der Hagenbachklamm in den projektierten Varianten berücksichtigt ist.