Wieviel Wasser ist Hochwasser am Hagenbach?

Geschiebe-Absetzbecken
Seit der Errichtung dieses Geschiebe-Auffangbeckens im Jahr 1952 ist die Durchflussmenge definiert, die als Höchstwert für ein Hagenbach-Hochwasser gilt: 27 m3/sec ...

In einem Bescheid des Amtes der NÖ Landeregierung zur Errichtung eines Absetzbeckens/Schotterfangs am Hagenbach ca. 500 m vor der Eisenbahnunterführung vom 10. Juli 1952 (Seite 3) wird definiert, mit welchen Wassermengen bei einem Katastrophenhochwasser gerechnet werden muss: „Als Höchsthochwasser wurde der Berechnung (des Rückhaltebeckens) ein solches von 27 m³/sec zugrunde gelegt. Dies entspricht dem für den Wienfluss zu Pfingsten 1951 ermittelten Wert und einem Einzugsgebiet von 9 m2/km.“

In einem Bescheid der BH Tulln zur Errichtung einer gemauerten Hochwasserverbauung im Gemeindegebiet von St. Andrä wird für das angenommene Durchflussprofil angenommen, dass es eine Hochwassermenge von 67,2 m³ abführen könne. Als spezifische Hochwassermenge wurden 3,0 m³/km2/sec angenommen. (Die jeweiligen Messwerte bzw. Angaben wurden exakt so aus den Bescheiden übernommen – siehe auch die Fotokopien der Originale.)

Es ist der Marktgemeinde StAW also seit einem halben Jahrhundert bekannt, mit welchen Abflussmengen entlang des Hagenbachs bei Hochwasser zu rechnen ist. Umso unverständlicher erscheint es, dass die überwiegende Zahl der Brücken im Gemeindegebiet offenbar in der blauäugigen Hoffnung errichtet wurde, bei Hochwasser handele es sich um reine Theorie. Auf die Bewilligungen von Brückenbauten, deren Querschnitt die angenommenen Hochwasser-Durchflussmengen zum Teil erheblich unterschreitet, hat diese Kenntnis der zu erwartenden Wassermengen offenbar keinen maßgeblichen Einfluss gehabt – siehe unsere Aufstellung über die Brücken entlang des Hagenbachs und ihre Durchfluss-Kapazitäten.

Und genau diese Brücken – allen voran die ÖBB-Unterführung – sind die Nadelöhre, die die Hochwassergefahr entlang des Hagenbachs begründen. Die aktuelle Karte zur Definition des HQ100-Gebietes zeigt es überdeutlich: Die betroffenen Flächen sind praktisch deckungsgleich mit dem Rückstau- und Ausuferungsbereich, der durch Brücken mit ungenügendem Querschnitt verursacht wird. Die Hochwassergefahr ist hausgemacht, und zwar nachweislich wider besseres Wissen ...