Offene Fragen

Angeschnitten wurde in der Info-Veranstaltung unter anderem die Frage, was geschehen würde, wenn das Rückhaltebecken vollliefe und überginge. DI Huber sagte, dass damit auf der Basis der von der NÖ grundgelegten Hochwasser-Verlaufs-Kennlinien nicht zu rechnen sei, da eine für HQ100 anzunehmende Niederschlagsmenge in diesem Rahmen gepuffert würde. Es könne allerdings nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden, dass die Retention überlaufe – das wäre dann ein Katastrophenfall, der das Planbare übersteige. Für diesen Fall habe man Maßnahmen an der Dammkrone getroffen, um ein Überlaufen so geordnet wie möglich zu steuern.

Wie sich allerdings dann das überlaufende Wasser auswirken würde, wurde nicht gesagt. Logisch ist, dass die angenommene Abflussmenge am Fuß der Retention deutlich überschritten würde – womit auch alle Abfluss-Annahmen im Ortsgebiet nicht mehr hielten und der Hochwasser-Katastrophenfall einträte … allerdings deutlich jenseits des HQ100-Risikos.

Zwei Rutschungsbereiche innerhalb des Retentionsbereichs sind noch ungeklärt – was die Frage aufwirft, welcher Verlauf eintreten könnte, wenn zum Beispiel bei einem Pegelstand "voll" des Rückhaltebeckens zugleich eine Rutschung größeren Ausmaßes in die Retention abginge ... zugegeben, dafür wird die Wahrscheinlchkeit gering sein. Andererseits ist das Risiko für beide Ereignisse wohl dann besonders hoch, wenn ein anhaltendes Starkregenereeignis zum Katastrophenfall führt. Der freilich nie ausgeschlossen werden kann. Wir werden jedenfalls weiterhin Antworten auf die offenen Rutschungsfragen einfordern.

Sicherungsmaßnahmen gegen Rutschungen und Verklausungen IN der Klamm, also unterhalb des Staubereichs, würden von der Wildbach- und Lawinenverbauung derzeit nicht geplant, allenfalls könne sich im Rahmen der Detailplanung etwas ergeben. Gesprochen wurde unter anderem von einem Wildholzrechen vor dem Eintritt des Baches ins verbaute Ortsgebiet. Konkreteres gibt es nicht, das Rutschungsrisiko in der Klamm selbst wurde von den anwesenden Fachleuten am Podium als irrelevant in Bezug auf eine Erhöhung des Hochwasser-Risikos beurteilt.

Zu den „linearen Maßnahmen“ ist derzeit wenig zu sagen, da noch nicht einmal eine einreichbare Planung vorliegt. Geäußert wurde der dringende Wunsch, diese Maßnahmen mit der Detail-Projektierung der Retention möglichst parallel laufen zu lassen, um ohne weiteren Verzug auch im Bereich der Brücken und Dämme mit dem hochwassersicheren Ausbau beginnen zu können.

Besonders unzufrieden zeigten sich etliche BesucherInnen der Info-Veranstaltung mit den Antworten auf die Haftungen bzw. politische Verantwortung im Zusammenhang mit der Erteilung von Baugenehmigungen in Gebieten, die nun als Hochwasserzone ausgewiesen sind. Es gab wenig Verständnis für die Behauptung, man hätte vor 2010 kein Hochwasser-Risiko erkennen können, und viel Beifall für DiskussionsteilnehmerInnen, die darauf verwiesen, dass sie in gutem Glauben auf die Kompetenz der zuständigen Stellen in der Marktgemeinde und auf die erteilten Baugenehmigungen viel Geld in ihre Liegenschaften investiert hätten. Man hätte weder auf die Probleme mit dem hohen Grundwasserpegel noch mit dem Hochwasser-Risiko hingewiesen, obwohl beides amtsbekannt sein hätte müssen. Der Rechtsstandpunkt der Gemeinde wird diesbezüglich noch zu überprüfen sein – immerhin gibt es in Österreich höchstgerichtliche Urteile, die Betroffenen in ähnlich gelagerten Fällen bereits Schadensersatz zusprechen. 

Die Zusage von Bürgermeister Stachelberger, künftig monatlich über den Baufortschritt beim Hochwasserschutz zu berichten, lässt uns hoffen, dass damit auch ein Schritt in Richtung transparenter Kommunikation mit den BürgerInnen verbunden ist … Information von oben nach unten ist Kommunalpolitik von gestern, partizipativer Austausch mit der Gemeindebevölkerung ist das Gebot der Stunde. Das wird auch in Hinblick auf die Gemeinderatswahlen im Jänner 2015 interessant.