Das Retentionsbecken

Warum ein Rückhaltebecken oben in der Hagenbachklamm? DI Jörg Huber vom Ingenieurbüro Dr. Lang führte die Gründe aus, warum schließlich die Einreichplanung für die „Variante 4“ ausgearbeitet und für die wasserrechtliche Bewilligung eingereicht wurde.

Grundlage seien die Abfluss-Untersuchungen der Hagenbachstudie 2010 gewesen, die vor allem die ÖBB-Überführung über den Hagenbach im Ortsgebiet von St. Andrä-Wördern als kritisches Nadelöhr dokumentiert hätten. Dort könnten derzeit höchstens 14 m³/s abfließen – also deutlich weniger als beispielsweise schon bei HQ30 mit 18 m³/s gegeben wäre, von HQ 100 mit knapp 27 m³/s ganz zu schweigen.

Eine Ausweitung der ÖBB-Brücke auch nur auf einen Querschnitt, der HQ30 verkraften könnte, sei unter Bedachtnahme auf realistische, vor allem finanzielle Gegebenheiten nicht erwartbar. Man habe daher die Schutzmaßnahmen auf eine Höchst-Abflussmenge von 15 m³/s für das Ortsgebiet StAW konzipiert.

Dafür habe es die Möglichkeiten eines Rückhaltebeckens in der Ebene vor dem ÖBB-Damm (westlich der Bahnunterführung) gegeben, wo man für das erforderliche Rückhaltevolumen eine große Fläche, entsprechend lange Dämme und vor allem ein Pumpwerk gebraucht hätte, um das in die Retention abgeleitete Hochwasser anschließend wieder ins Gerinne zurückzuführen. Ein derartiges Pumpwerk, das vielleicht nur alle Jahrzehnte benötigt würde, müsste aber während der gesamten Zeit gewartet und betriebsbereit gehalten werden, was einen hohen permanenten Kostenaufwand bedingte.

In der Hagenbachklamm seien hingegen die Voraussetzungen für ein trogartiges Becken gegeben, das eine ausreichende Menge Wasser puffern könnte, um im Ortsgebiet von StAW die Abflußmenge von 15 m³/s nicht zu überschreiten. Das angestaute Wasser müsse nicht abgepumpt werden, sondern folge der Schwerkraft.

Für die Bemessung des Beckens waren Hochwasser-Kennlinien maßgeblich, die vom Amt der NÖ Landesregierung vorgegeben sind und modellhaft darstellen, wie sich der zeitliche Verlauf einer Hochwasserwelle bei HQ30 bzw. HQ100 abspielt. Die Retention hätte ein Hochwasser zu puffern, dessen Wellenmaximum bei HQ100 noch keine Überflutung zur Folge hätte – es würden an der Basis des Retentionsdammes stetig die zugelassenen 3,5 m³/s abfließen, die zusammen mit den Zuflüssen bis zum Ortsgebiet die angepeilte Höchstgrenze von 15 m³/s gewährleisten würden.

Die letztendlich zur wasserrechtlichen Bewilligung eingereichte Variante 4 könne, so DI Huber, 160.000 m³ aufnehmen – die zuvor favorisierte und mit 169.000 m³ Fassungsvermögen noch etwas größere Variante 3 scheiterte daran, dass es zu keiner Einigung mit den beteiligten Grundbesitzern gekommen war. Technisch seien die Dämme der Retention auf dem letzten Stand geplant; Vorkehrungen wie u.a. Rechen für das Ableiten von Treibgut und ein Tosbecken im Ablauf würden eine sichere Funktion des dosierten Abfließens im Hochwasserfall gewährleisten.

DI Huber betonte, dass die Retention zusammen mit den geplanten linearen Maßnahmen entlang der Abfluss-Strecke des Hagenbachs im Ortsgebiet zu betrachten wäre – zugleich sei es im Zusammenwirken der geplanten Schutzmaßnahmen jene mit der höchsten Wirkung, die daher Priorität bekommen müsse.

Bürgermeister Stachelberger berichtete, dass die geplante Variante 4 zur wasserrechtlichen Bewilligung eingereicht worden sei. Für einen positiven Bescheid habe man positive Signale erhalten. Die Bewilligung sei erforderlich, um im nächsten Schritt die erhofften Förderungsmittel zu beanspruchen. Dafür, so der Bürgermeister, sei noch kein zuverlässiger zeitlicher Rahmen zu definieren. Das Gesamt-Finanzierungsvolumen (Retention und ergänzende Maßnahmen) würden derzeit mit € 6 Mio. veranschlagt, die Marktgemeinde St. Andrä-Wördern habe davon € 1,4 Mio. aus Eigenmitteln reserviert.